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Geld wurde gemacht, um den Göttern zu gefallen
Geld wurde gemacht, um den Göttern zu gefallen

Die Perspektive in Kürze:

Geld hat eine religiöse Herkunft. Um dies zu begründen, geht der Philosoph Christoph Türcke bis in die Frühgeschichte zurück und macht dort den Ursprung des Geldes in religiösen Opferhandlungen aus. Seiner Meinung nach entstand Geld nämlich nicht zuerst als Tauschmittel, sondern zur Schuldbegleichung. Türcke schreibt, dass Geld eine Schuld sei, die aus einem sakralen Opfervorgang hervorgehe. Früher habe man Menschen- oder Tieropfer erbracht, um die Götter zu besänftigen. Später sei es dann schließlich Geld gewesen, das man geopfert habe, damit die Götter vergeben. Das Problem dabei: es entstehe durch den Opfermythos ein grundsätzliches Ungleichgewicht. Die Begleichung der Opferschuld sorge nicht für ausgeglichene Verhältnisse. Vielmehr erwachsen daraus nur neue Opferschulden, die abermals beglichen werden sollen (oder müssen).

Bezahlen als Opferkult der Moderne

Türcke untersucht im Rahmen seiner Geschichte des Geldes zunächst die Herkunft dieses Wortes. „Geld“ gehe auf das angelsächsische Wort „gilt“ zurück, nicht auf Gold, wie viele denken. Im englischen Wort für Schuld („guilt“) ist dieser Wortstamm noch heute enthalten. In der Altsteinzeit führten die Menschen Naturgewalten (bspw. Unwetter, Krankheiten, wilde Tiere) auf den Zorn höherer Mächte zurück, den sie durch Menschenopfer zu besänftigen versuchten. Durch diese Opfergaben sollte deren vermeintliche Schuld gegenüber den Göttern beglichen werden,

Die Perspektive in Kürze:

Geld hat eine religiöse Herkunft. Um dies zu begründen, geht der Philosoph Christoph Türcke bis in die Frühgeschichte zurück und macht dort den Ursprung des Geldes in religiösen Opferhandlungen aus. Seiner Meinung nach entstand Geld nämlich nicht zuerst als Tauschmittel, sondern zur Schuldbegleichung. Türcke schreibt, dass Geld eine Schuld sei, die aus einem sakralen Opfervorgang hervorgehe. Früher habe man Menschen- oder Tieropfer erbracht, um die Götter zu besänftigen. Später sei es dann schließlich Geld gewesen, das man geopfert habe, damit die Götter vergeben. Das Problem dabei: es entstehe durch den Opfermythos ein grundsätzliches Ungleichgewicht. Die Begleichung der Opferschuld sorge nicht für ausgeglichene Verhältnisse. Vielmehr erwachsen daraus nur neue Opferschulden, die abermals beglichen werden sollen (oder müssen).

Bezahlen als Opferkult der Moderne

Türcke untersucht im Rahmen seiner Geschichte des Geldes zunächst die Herkunft dieses Wortes. „Geld“ gehe auf das angelsächsische Wort „gilt“ zurück, nicht auf Gold, wie viele denken. Im englischen Wort für Schuld („guilt“) ist dieser Wortstamm noch heute enthalten. In der Altsteinzeit führten die Menschen Naturgewalten (bspw. Unwetter, Krankheiten, wilde Tiere) auf den Zorn höherer Mächte zurück, den sie durch Menschenopfer zu besänftigen versuchten. Durch diese Opfergaben sollte deren vermeintliche Schuld gegenüber den Göttern beglichen werden, um künftig von existenzbedrohenden Naturgewalten verschont zu bleiben. Zudem suchten die Menschen nach Möglichkeiten, die Schrecken und Verluste durch diese „Urgewalt“ zu verarbeiten. Und auch hierbei halfen die Opferungen. Wurde ein Stammesmitglied geopfert, empfanden die Menschen den Schmerz nach, den die Natur ihnen oft zufügte. Dieser Vorgang wurde regelmäßig wiederholt, wodurch die Angst und Erschütterung vor derartigen Verlusten abgebaut werden sollte. Christoph Türcke bezeichnet dieses Vorgehen – mit Rückgriff auf Sigmund Freud – als Wiederholungszwang. Die bewusst herbeigeführte Verlusterfahrung diente als Ersatzhandlung für die unvorhersehbaren Verluste durch Naturgewalten. Türckes Streifzug durch die Geschichte des Geldes ist also auch eine lange Geschichte der Ersatzhandlungen. Diese Opferungen sind seitdem fester Bestandteil verschiedener Religionen, auch wenn sich die Opfergaben mit der Zeit wandelten. Später opferte man anstelle von Menschen Tiere, diverse materielle Gegenstände wie Nahrungsmittel oder Edelmetalle, aus denen letztlich Münzen entstanden. Geldopfer gehören seither fest zur religiösen Praxis – bis heute. Für Türcke sind deshalb die heutigen Banken Nachfolger der prähistorischen Tempel. Vormals verliehen deren Priester Menschen, Tieren und allerlei wertvollen Gegenständen durch Weihung Opferfähigkeit. Heute hauchen die Zentralbanken in eigentlich priesterlicher Manier Papier Kaufkraft ein, indem sie es (im Rahmen der Geldschöpfung) bedrucken – Wertschöpfung aus dem Nichts.

Warum wir diese Beitrag empfehlen:

Die meisten Menschen begreifen Geld schlicht als Tauschmittel. Da ist in der Tat etwas dran, das würde auch Christoph Türcke nicht in Abrede stellen. Doch den ursprünglichen  Zweck des Geldes sieht Türcke bereits in vorgeschichtlichen Opferriten. Erstaunlicherweise soll Geld heutzutage grundsätzlich noch immer den gleichen quasi-religiösen Zweck haben. Wie das sein kann, erläutert Tom Wohlfarth – politischer Blogger und Autor u.a. für „der Freitag“ und „ZEIT ONLINE“ – kritisch und fundiert in seiner Zusammenfassung von Türckes 2015 veröffentlichtem Buch „Mehr! Philosophie des Geldes“. Der Artikel ist anspruchsvoll und sollte nicht nur überflogen werden, denn: es lohnt sich! Türckes geistreicher Abriss der Geschichte des Geldes greift einige bekannte Positionen über das Wesen und die Entstehung unseres oft so selbstverständlichen Zahlungsmittels auf. Er liefert aber vor allem auch neue und deshalb überraschende Ansätze und Überlegungen zu dieser komplexen Thematik. Wohlfarth gibt diese in seinem Beitrag kompakt wieder und bietet somit einen lobenswerten Überblick über das fast 500 Seiten starke Originalwerk. Eine großartige und unkonventionelle Abhandlung über unser Geld, das nicht zuletzt die Finanzkrise 2008 sowie das gesamte System des Kapitalismus und der dazugehörigen Finanzinstitute in einem anderen Licht erscheinen lässt.

Wer steckt dahinter?

Christoph Türcke
Kommt aus:Hameln, Deutschland
Politische Position:Unklar
Arbeitet für/als:Christoph Türcke ist Philosoph und Autor zahlreicher Bücher. Er lehrte von 1995 bis zu seinem Eintritt in den Ruhestand 2014 als Professor für Philosophie an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig.
Was Sie noch wissen sollten:Türcke studierte Evangelische Theologie und Philosophie. Seine Forschungsinteressen liegen neben der Religionskritik insbesondere in der Kritischen Theorie Horkheimers und Adornos sowie der Psychoanalyse Freuds. Er wurde 2009 mit dem Sigmund-Freud-Kulturpreis für seine kreativ-kritische Auseinandersetzung mit psychoanalytischen Problemen ausgezeichnet.
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