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Wie vor der russischen Regionalwahl Menschen zu „Phantomen“ werden
Wie vor der russischen Regionalwahl Menschen zu „Phantomen“ werden
( Link zum Originalbild | Urheber: Ulrike Leone | Pixabay | Pixabay Lizenz )

Der tägliche Blick über den Tellerrand mit The Buzzard.

Guten Morgen,

seit mehreren Wochen kommt es immer wieder zu Demonstrationen in Russland. Insbesondere in Moskau gehen etliche Menschen für faire Wahlen auf die Straße. Auslöser war, dass zahlreiche Kandidaten der Opposition von den im September anstehenden Regionalwahlen ausgeschlossen wurden. Die Wahlkommission begründete diesen Schritt mit Formfehlern und fehlenden Unterschriften.

Mehrfach kam es zu Gewaltausübung der Polizei und Nationalgarde gegen die Demonstranten; zudem gab es hunderte Festnahmen. In den heftigen Reaktionen auf die Proteste sehen Beobachter Einschüchterungsversuche der russischen Regierung, die inzwischen Googles Videoportal YouTube beschuldigt, durch Videos der Proteste Einfluss auf die inneren Angelegenheiten Russlands zu nehmen.

Es sind die größten Unmutsäußerungen der russischen Zivilgesellschaft seit Jahren, die sich kurz vor den Regionalwahlen Anfang September nochmals verstärken dürften. Das Internetportal DEKODER bietet zu den Protesten eine Sammlung kurzer, informativer Erläuterungen im FAQ-Stil und veröffentliche außerdem die Übersetzung eines offenen Briefs, den wir für unsere heutige Tagesempfehlung auswählen.

Autor ist der Soziologe Grigori Judin. Er richtet seinen Brief an den Moskauer Bürgermeister Sergej Sobjanin – im Namen der Bewegung „Moskauer Phantome“.

Gemeint sind damit jene Menschen, die ihre Unterschrift für einen der unabhängigen Kandidaten in Moskau abgegeben haben. Die es, so Judin, laut offizieller Lesart der Wahlkommission also gar nicht gibt. „Wir alle sind Phantome. We are the nobodies“, schreibt er.

„Es gibt keine Möglichkeit, zur Kommission zu gehen und ihr zu beweisen, dass alles in Ordnung ist, und dass diese Unterschrift wirklich von mir stammt. Wenn die Kommission entschieden hat, dass es mich nicht gibt, dann weiß sie das besser als ich.“

 

Hier entlang zum Originalbeitrag.

Jeden Montag- bis Freitagmorgen um 7 Uhr erscheint an dieser Stelle der Perspektivwechsel am Morgen. Hier finden Sie täglich einen Artikel, der zu einem aktuellen Tagesthema eine alternative Sichtweise bietet. In unserem Archiv finden Sie darüber hinaus Debattenübersichten zu den wichtigen Themen unserer Zeit.

Wer steckt dahinter?

Frank Kaltofen
Kommt aus:Immer Thüringer gewesen, jetzt in Leipzig
Arbeitet für/als:Redakteur in verschiedenen Kontexten
Was Sie noch wissen sollten:Studierter Politikwissenschaftler und jetzt Schreiberling. Interessiert an Menschen und ihren Geschichten. Schreibt seit 2007, am liebsten über Kulturelles & Zeitgeschichtliches.
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