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Die kollektive Trauer der Klimaforscher – und was wir von ihr lernen können
Die kollektive Trauer der Klimaforscher – und was wir von ihr lernen können
( Link zum Originalbild | Urheber: Julia_photo367 | Pixabay | CC0 )

Der tägliche Blick über den Tellerrand mit The Buzzard. 

Guten Morgen,

wer die Arbeit von Klimajournalisten wie David Wallace-Wells oder Bill McKippen kennt, der kennt sicherlich auch die Gefühle von Wut, Angst oder Hoffnungslosigkeit, die einhergehen mit dem Wissen um das Ausmaß der Klimakatastrophe. Zu wenig Zeit für ein Umsteuern – die UN spricht von zwölf Jahren –, zu umfassend und komplex das Problem. Und es ist ja nicht so, als ginge es schon in die richtige Richtung, im Gegenteil: Die Emissionen steigen. Da ist es schwer, sich nicht vom Klimablues packen zu lassen. Mir jedenfalls fällt es schwer.

Und auch den Menschen, die die Klimakrise erforschen. Um sie geht es in meiner heutigen Empfehlung – der vorerst letzten –, aber auch darum, wie diese Menschen mit der psychischen Belastung umgehen. Einer Belastung, die viele von ihnen seit Jahrzehnten ertragen, da sie besser informiert sind als der Rest der Welt, da sie schon lange wissen, wie groß die Zerstörung und die Gefahr tatsächlich sind. Ihre Expertise wird ignoriert, ihre Warnungen werden überhört. Und das macht viele von ihnen krank, sie leiden an Depressionen, an Angstzuständen.

Der Artikel, geschrieben hat ihn David Corn, ist im US-amerikanischen Magazin Mother Jones erschienen. Er ist reich bebildert und schönerweise auch als Audioaufnahme verfügbar. Ich empfehle ihn deshalb, weil Corn sich nicht darauf beschränkt, das Unglück der Klimaforscher darzustellen (wobei er das gründlich tut), sondern weil es darin auch um Maßnahmen geht, mit der psychischen Belastung klarzukommen.

Immer mehr Menschen wird es wie den Forschern gehen, wenn nach und nach die Folgen der globalen Erwärmung und Verschmutzung furchtbarer werden. Für mich war es sehr aufschlussreich zu erfahren, wie die Forscher ihre Gefühlen handhaben. Beispielhaft nenne ich vier Maßnahmen.

Erstens: die eigene Schuld so gering wie möglich halten. Vielleicht öfter mit dem Fahrrad fahren, weniger Fleisch essen etc., man hat es tausendmal gehört. Und doch, auch wenn es sinnlos scheint im Angesicht der globalen Entwicklung, scheint zu helfen. Zumindest dem persönlichen Lebensgefühl.

Zweitens: das Phänomen Mensch mit Humor nehmen. So macht es der Stanford-Professor Ken Caldeira, er sagt sich: „Was sind wir bloß für eine verrückte Spezies mit unserem Drang, uns selbst zu schaden!“ Funktioniert allerdings nur minutenweise. 

Drittens: die Gegenwart genießen, so lange es möglich es ist. Niemand weiß, wie genau sich die Klimakrise auf globale Konflikte oder auf die Weltwirtschaft auswirken wird. Niemand weiß, wie schnell es gehen wird.

Viertens: Hoffnung bewahren. Das Bewusstsein um die Dringlichkeit des Problems wächst. Und es ist noch Zeit. Also.

„Die Verzweiflung einiger Wissenschaftler könnte auch einen Nutzen haben. ‚Immer mehr Wissenschaftler bringen ihre Gefühle und ihr Herz in den Vordergrund ihrer Arbeit – sie werden mutiger, leidenschaftlicher, provokanter‘, sagt Christine Arena, Produzentin von Klimawandel-Dokumentationen. ‚In gewisser Weise erhöht diese kollektive Trauer ihre Reichweite.‘“

 

Hier entlang zum Originalbeitrag. (Englisch)

 

Jeden Montag- bis Freitagmorgen um 7 Uhr erscheint an dieser Stelle der Perspektivwechsel am Morgen. Hier finden Sie täglich einen Artikel, der zu einem aktuellen Tagesthema eine alternative Sichtweise bietet. In unserem Archiv finden Sie darüber hinaus Debattenübersichten zu den wichtigen Themen unserer Zeit.

Wer steckt dahinter?

Maurus Jacobs
Kommt aus:Geboren in Kalifornien, aufgewachsen bei Hamburg, jetzt in Leipzig
Politische Position:Hat großes Interesse, komplexe Debatten in ihrer Vielfalt, aber übersichtlich darzustellen
Arbeitet für/als:Arbeitet für eine Hamburger Medienagentur
Was Sie noch wissen sollten:Maurus hat in Hamburg für die Bergedorfer Zeitung und Die Welt geschrieben. Er studiert am Deutschen Literaturinstitut.
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